Seniorenbashing

Julia Onken, 31.01.2020

Julia Onken
Julia Onken

Nein. Ich kann mich nicht beklagen. Diskriminierung älteren Menschen gegenüber kenne ich nur vom Hörensagen. Wenn ich mich dennoch mit dem Thema Altersdiskriminierung auseinandersetze, dann deshalb, weil ich mich mit dieser Altersgruppe solidarisch fühle.

Da der grösste Teil der schreibenden Zunft schafsergeben dem Mainstream hinterherdackelt und damit unreflektiert entwürdigende und entwertende Statements über alte Menschen in die Welt posaunt, ist Seniorenbashing an der Tagesordnung. Demnach droht uns eine überalterte Gesellschaft, als ob ein Heer von Monstern das Land besetzen würde. Das alarmierende Loch in der AHV-Kasse wird auf die Überalterung zurückgeführt. Für die Kostenexplosion im Gesundheitswesen werden die teuren lebensverlängernden Operationen und Medikamente für die überalterte Personengruppe verantwortlich gemacht («Dabei lohnt es sich doch nicht mehr!»). Auch das Verkehrschaos auf Strassen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln wird den Alten angelastet; sind sie im Auto unterwegs, verursachen sie Unfälle, sonstverstopfen sie Züge, Busse und Trams und hindern die Leistungsträger. Fazit: Die Alten sind nur ein belastender Kostenfaktor und an der Erwirtschaftung des Bruttosozialprodukts nicht mehr beteiligt.

Auch bei geringfügiger Denkkapazität müsste der Zusammenhang von Ursache und Wirkung nachzuvollziehen sein. Die Alten haben mit ihrem Fleiss, mit ihrem pflichtbewussten täglichen Einsatz den heutigen Wohlstand erarbeitet und tragen weiterhin dazu bei. Sie bezahlen Steuern und – falls sie noch arbeiten wie in meinem Falle – AHV. Die Lebensleistungen früherer Generationen zu würdigen und anzuerkennen gehört zum Einmaleins menschlichen Zusammenlebens.

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