Silvia Trinkler | Wenn Inseln versinken

Silvia Trinkler, 27.03.2020

Silvia Trinkler
Silvia Trinkler

Alles läuft aus dem Ruder. Ich höre eine innere Stimme: «Besen, Besen, seids gewesen.» Ein Satz aus Johann Wolfgang Goethes Ballade «der Zauberlehrling».

Die Strophen 1 und 2 handeln von Selbstüberschätzung. Der Hexenmeister ist aus dem Haus und der Zauberlehrling denkt, dass er genug gelernt hat um selber zu hexen. Er verzaubert den Besen in einen Knecht, der für sein Bad Wasser schöpfen soll.

Die Erde wurde durch Gott oder die Evolutionstheorie erschaffen. Über viele Jahrtausende entwickelte sich das Leben auf dieser Welt. Pflanzen und Tiere auf dem Land und im Wasser entstanden, irgendwann auch der Mensch.

Die Päpste und Vögte hatten das Sagen und unterdrückten die Menschheit. Der Mensch, ein intelligentes Wesen, fing an sich die Natur unterzuordnen, kämpfte, siegte, wuchs und veränderte sich.

Strophe 3 – der Machtrausch. Begeistert stellt der Lehrling fest, dass er auch zaubern kann. Da merkt er, dass er den Spruch vergessen hat den Zauber zu beenden.

Der Mensch wird sesshaft. Die Industrialisierung, die Medizin, die Forschung, die Mobilisierung, die Globalisierung …. Bis zum Flug auf den Mond. Ja gar bis zur gentechnischen Veränderung der Lebewesen, alles ist möglich. Der Rausch nach Macht und Einfluss nimmt zu. Es gibt kein Halten.

Ein paar wenige merken, dass sich niemand an das Zauberwort zum Innehalten erinnert.

Strophe 4, 5 und 6 - Angst und Verzweiflung kommen auf. Hilflos ist der Zauberlehrling, die magischen Kräfte kann er nicht mehr stoppen. Er ist der Situation, die er selber herauf beschworen hat ausgeliefert. Sein Entsetzen wächst.

Der Luxus nimmt zu, Pflanzen gehen ein, Tiere sterben aus. Die Meere ersticken unter Plastikteppichen, die Fische können sich nicht mehr fortpflanzen.

Einige stehen auf und wehren sich! Sie rufen zu Protesten. Andere belächeln sie.

Ein paar Menschen beherrschen und drangsalieren ganze Völker, beuten sie aus. Tausende flüchten, haben nur noch das nackte Leben.

Einige stehen auf und schreien das Elend in die Welt! Wollen helfen. Werden belächelt.

Die Temperaturen steigen, die Unwetter nehmen zu. Von Umweltkatastrophen nicht zu reden. Die Gletscher schmelzen, die Meere steigen. Inseln versinken.

Viele schreien auf! Wo bleibt unsere Zukunft. Seht ihr den Irrsinn nicht?

Die Grossen lächeln. Geht zur Schule, nicht auf die Strasse! Wenige unterstützen die Mutigen.

Strophe 7Erlösung: Rettung naht in der Gestalt des Hexenmeisters.

 

«In die Ecke,

Besen! Besen!

Seid’s gewesen.

Denn als Geister

ruft euch nur zu seinem Zwecke,

erst hervor der alte Meister.»

 

In der Gegenwart ist die letzte Strophe noch nicht geschrieben. Ob der Mensch diese «Zäsur» auch als Rückbesinnung annehmen und durchsetzen kann?  Ob der Wahnsinn - ausgelöst durch Egoismus, Eitelkeit, Selbstgerechtigkeit, ja bis zum globalen Narzissmus – wirklich gestoppt werden kann?

Goethe schrieb den «Zauberlehrling» im Jahr 1797.  Er zeigt Goethes Grundanliegen, nämlich das Festhalten an der bewährten Ordnung in einer vom Chaos bedrohten Welt.

Quelle: https://www.inhaltsangabe.de/goethe/der-zauberlehrling/

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